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Fr, 09.11. Wien Modern. Meister

Wiener Konzerthaus, Wien
David Philip Hefti: Changements (2012) ÖE
Olga Neuwirth: Clinamen/Nodus (1999)
John Cage: Quartets I-VIII for 93 players (1976) ÖE

ORF Radio-Symphonieorchester Wien

Cornelius Meister
. Dirigent


John Cage, Quartets I - VIII
1776, am 4. Juli, verabschiedet der amerikanische Kongress die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten, ein - abgesehen vom konkreten politischen Kampf um Unabhängigkeit vom britischen »Mutterland« - in seiner Bedeutung demokratiepolitischer Meilenstein, dessen schon im ersten Absatz festgeschriebene Gleichheit aller Menschen samt deren Recht auf das »pursuit of Happiness« legendär werden sollten: »We hold these truths to be selfevident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness«.

200 Jahre später, 1976, wird dieses Jubiläum gefeiert und der Komponist John Cage bekommt im Zuge dessen einen Kompositionsauftrag. Man könnte es auch so sehen: Es war Cages lebenslanges künstlerisches Ziel, auf seine sehr persönliche, von den amerikanischen Philosophen des 19. Jahrhunderts Ralph Waldo Emerson und Henry David Thoreau geprägte Art eines sanften Anarchismus, das Recht auf ein »pursuit of Happiness« künstlerisch zu formulieren, zu skizzieren, und selbst zu leben. Als er 1976 zum Zweihundertjahrjubiläum diesen Auftrag für ein Ensemble- oder Orchesterstück bekommt, erinnert er sich an alte amerikanische kirchliche Hymnen, wie sie zur Zeit der Unabhängigkeitserklärung in allen Kirchen der damals 13 Gründerstaaten gesungen worden waren. Es sind einfache Choräle und Hymnen, oft vierstimmig zu singen. John Cage war seit Jahren am kompositorischen Organisationskonzept des präzise angewandten Zufalls interessiert, weil er das als einen Ausweg aus dem alten Prinzip und des seiner Meinung nach zu überwindenden autokratisch diktierenden Künstlergeschmacks verstand. Also nahm er sich acht originale Hymnen, löste Fragmente mit Hilfe des I Ging Orakels aus ihren alten Zusammenhängen und ließ sie vom Orakel neu ordnen. Aber - typisch John Cage - natürlich nicht wirklich zufällig, sondern nach strengen, vorausgedachten Regeln: Nie sollten mehr als vier der 93 Orchesterinstrumente gleichzeitig erklingen und das alles in einem ununterbrochenen ruhigen »flow«. Seltsam schöne, »zufällige« neue Harmonien entstehen, die alte Welt amerikanischer Hymnen schimmert durch ein abstraktes Gemälde des 20. Jahrhunderts. Seit Jahren ist das zirka dreiviertelstündige Stück nie mehr zur Gänze aufgeführt worden, Chefdirigent Cornelius Meister und das RSO Wien präsentieren die - laut Verlagsauskunft - nach der Uraufführung erst dritte Gesamtaufführung. [CS]

Informationen und Tickets: www.wienmodern.at

Ö1 Club-Mitglieder erhalten 10% Rabatt auf die Kartenpreise. (Auch gültig für die Begleitperson)
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