06.05. Samuel Barber: "Vanessa" Oper in konzertanter Aufführung
| Wiener Konzerthaus, Wien |
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Vanessa op. 32 (1957)
Charlotta Larsson Vanessa
Katharine Goeldner Erika
Ryan MacPherson Anathol
Joyce Castle Old Baroness
Johannes Mannov Doctor
Simon Pauly Major-Domo, Footman
Wiener Singakademie
Cornelius Meister Dirigent
Vanessa heißt jene Frau, an deren Schicksal die gleichnamige Oper von Samuel Barber Konflikte um Liebe, Loyalität und Leidenschaft auslotet - im Stile einer Gothic Novel. Man könnte erzählen, dass die Handlung der Oper damit beginnt, dass Vanessa auf ihren Liebhaber wartet und all die dann folgenden Täuschungen und Enttäuschungen aufzählen. Man könnte auch interpretierend sagen, die Oper „handle" - jenseits der nacherzählbaren „Handlung" - davon, wie man mit Idealen und Wünschen umgeht oder eben nicht, mit Wunschvorstellungen, deren Einhaltung einen fatalerweise der Welt abhanden kommen lässt, während die Alternative des Kompromisses einem das Selbst abhanden kommen ließe. Leicht hat es in dieser Oper aus 1958 niemand, außer vielleicht die Zuhörenden, denn Samuel Barber lässt diese operndramatischen Lebenskonflikte in einer Art berauschender Nachromantik erklingen, volle Farben, opulente Harmonien, verzweifelt schwelgerisch ebenso wie auffahrend dramatisch.
Da fehlt hier jetzt aber noch die Auflösung der Andeutungen zur Gothic Novel. Der Komponist Samuel Barber, so ist es überliefert, hätte als Sechsjähriger an der New Yorker Met Verdis Aida mit Caruso und seiner Tante Louise Homer als Amneris gehört. Seit damals war er erstens glühender Opernfan und wusste zweitens, dass er Komponist oder Sänger werden wolle. Er wurde beides, aber er schrieb erst mit 48 Jahren diese seine erste Oper. Seit den 30er Jahren war er zwar immer wieder mit Opernprojekten beschäftigt, aber erst ein Auftrag der Met selbst löste den gordischen Knoten. Samuel Barber bat eine Handvoll Literaten erfolglos um ein Libretto, bis schließlich ausgerechnet sein Lebensgefährte, renommiertester Opernlibrettist dieser Jahrzehnte und zugleich auch Komponist, nämlich Gian Carlo Menotti das Libretto schrieb. Und als Vorlage, gaben die beiden an, hätte eine Geschichte von Isak Dinesen gedient. In dessen Werk allerdings findet sich keine vergleichbare Geschichte. Allerdings gibt es „Seven Gothic Tales", die Karen Blixen - das ist jene dänische Schriftstellerin, deren Leben als Farmerin in Afrika von Meryl Streep in Out of Africa gespielt wird - unter dem Pseudonym Isak Dinesen herausgeben hatte lassen. Und von der Atmosphäre jener „Gothic Tales" und ihrer so dekandenten wie verklemmten, heftig erotisch-symbolistischen Stimmung ist sie auf jeden Fall geprägt, Samuel Barbers Vanessa.
Ticketbezug: http://konzerthaus.at
Ö1: Sa, 7.5., 19:30 Uhr